
Innenstrukturierte Kühlplatten
Flüssigkeitskühlkörper mit gefrästen oder eingesetzten Kanal- oder Pinstrukturen. (...)
Der Wärmeübergangskoeffizient α gibt an, wie viel Wärme pro Quadratmeter Oberfläche und pro Kelvin Temperaturdifferenz zwischen einer Wand und einem strömenden Fluid übertragen wird. Seine Einheit ist W/(m²·K). Anders als die Wärmeleitfähigkeit ist α keine Stoffkonstante: Der Wert hängt von Medium, Strömungsgeschwindigkeit und Geometrie ab und reicht von wenigen W/(m²·K) an ruhender Luft bis über 10.000 W/(m²·K) bei Wasser in engen Kanälen.
Der Wärmeübergangskoeffizient α, auch Wärmeübergangszahl genannt, ist der Proportionalitätsfaktor zwischen der Wärmestromdichte an einer Oberfläche und der Temperaturdifferenz zwischen Oberfläche und Fluid. Ein α von 1.000 W/(m²·K) bedeutet: Jeder Quadratmeter überträgt bei 1 K Temperaturdifferenz 1.000 W.
Sie kennen α, zum Beispiel aus der Tabelle unten oder aus einer Simulation, und möchten den übertragenen Wärmestrom und den konvektiven Wärmewiderstand ermitteln.
Der konvektive Wärmestrom zwischen einer Oberfläche und einem Fluid wird mit dem Ansatz nach Newton beschrieben. α fasst dabei alle Einflüsse der Strömung in einer einzigen Zahl zusammen.
Q̇ = α · A · (T_W − T_F) Rth = 1 / (α · A) Umgestellt ergibt sich der konvektive Wärmewiderstand in K/W. Er lässt sich direkt in die Reihenschaltung der Wärmewiderstände vom Halbleiter bis zum Kühlmedium einsetzen.
Wärmewiderstand berechnen →Die drei Größen werden oft verwechselt, beschreiben aber unterschiedliche Vorgänge. λ gehört zum Werkstoff, α zur Grenzfläche zwischen Wand und Fluid und U zum gesamten Bauteil von Fluid zu Fluid.
| Größe | Einheit | Beschreibt | Hängt ab von |
|---|---|---|---|
| Wärmeleitfähigkeit λ | W/(m·K) | Wärmeleitung im Inneren eines Stoffes | Werkstoff und Temperatur |
| Wärmeübergangskoeffizient α | W/(m²·K) | Wärmeübergang zwischen einer Oberfläche und einem strömenden Fluid (Konvektion) | Fluid, Geschwindigkeit, Strömungszustand, Geometrie |
| Wärmedurchgangskoeffizient U (früher k) | W/(m²·K) | Gesamter Wärmedurchgang durch eine Wand von einem Fluid zum anderen | Beide Wärmeübergänge, Wanddicke und Wärmeleitfähigkeit der Wand |
1/U = 1/α₁ + s/λ + 1/α₂ Für eine ebene Wand addieren sich drei Teilwiderstände: der Übergang auf der einen Seite, die Leitung durch die Wand der Dicke s und der Übergang auf der anderen Seite. Der kleinste α-Wert dominiert. Deshalb bringt es fast immer am meisten, zuerst die schlechtere Seite zu verbessern.
Mehr zur Wärmeleitfähigkeit λ →Die Werte zeigen Größenordnungen. Wo ein konkreter Fall liegt, hängt von Geschwindigkeit, Geometrie und Temperatur ab. Für eine Auslegung führt kein Weg an einer Berechnung über die Nusselt-Zahl, einer Simulation oder einer Messung vorbei.
| Anwendungsfall | α in W/(m²·K) | Hinweis |
|---|---|---|
| Freie Konvektion, Luft und Gase | 2 bis 25 | Passive Kühlkörper und Gehäuseoberflächen ohne Lüfter. |
| Erzwungene Konvektion, Luft und Gase | 25 bis 250 | Lüftergekühlte Kühlkörper. In Rippenkanälen bei einigen m/s liegen die Werte meist bei etwa 30 bis 100. |
| Freie Konvektion, Wasser und andere Flüssigkeiten | 50 bis 1.000 | Ruhende Flüssigkeit, zum Beispiel ein Behälter oder Bad ohne Umwälzung. |
| Erzwungene Konvektion, Wasser und Wasser-Glykol in Kanälen | 100 bis 20.000 | Flüssigkeitskühlplatten. Bei Kanälen von einigen Millimetern und rund 1 m/s meist einige 1.000. Wasser-Glykol liegt deutlich unter Wasser. |
| Mikrokanäle mit Wasser (Dh unter 1 mm) | etwa 5.000 bis 25.000 | Abgeschätzt aus Nu ≈ 4 bis 8 bei Dh = 0,2 bis 0,5 mm. Hoher Druckverlust. |
| Sieden und Kondensation (Phasenwechsel) | 2.500 bis 100.000 | Zweiphasenkühlung sowie Verdampfung und Kondensation im Inneren von Heatpipes und Vapor Chambers. |
Bereiche nach Incropera, Fundamentals of Heat and Mass Transfer (Tabelle 1.1), und VDI-Wärmeatlas. Die Werte für Rippenkanäle und Mikrokanäle sind mit den Nusselt-Korrelationen auf dieser Seite abgeschätzt.
Wasser überträgt Wärme an einer Oberfläche um Größenordnungen besser als Luft. Gründe sind die rund 23-fach höhere Wärmeleitfähigkeit und die etwa 17-fach kleinere kinematische Viskosität, die bei gleicher Geschwindigkeit eine höhere Reynolds-Zahl ergibt. Zwei Beispiele für eine 100 mm lange, längs angeströmte Platte, gerechnet mit dem Rechner oben:
α lässt sich nicht einfach nachschlagen, sondern wird über dimensionslose Kennzahlen bestimmt. Die Nusselt-Zahl ist der dimensionslose Wärmeübergangskoeffizient. Empirische Korrelationen liefern Nu als Funktion von Reynolds- und Prandtl-Zahl, daraus folgt α.
Nu = α · L / λ ⇒ α = Nu · λ / L Nusselt-Zahl: Verhältnis von konvektivem zu rein leitendem Wärmetransport im Fluid. L ist die charakteristische Länge, also die Plattenlänge oder der hydraulische Durchmesser Dh. λ ist die Wärmeleitfähigkeit des Fluids, nicht die der Wand.
Re = v · L / ν Reynolds-Zahl: Verhältnis von Trägheits- zu Zähigkeitskräften. Sie entscheidet, ob die Strömung laminar oder turbulent ist. In Rohren und Kanälen gilt die Strömung unterhalb von Re ≈ 2.300 als laminar, an der ebenen Platte schlägt sie um Re ≈ 5 · 10⁵ um.
Pr = ν / a = η · c_p / λ Prandtl-Zahl: reiner Stoffwert des Fluids, das Verhältnis von Impuls- zu Temperaturleitfähigkeit. Luft ≈ 0,7, Wasser bei 25 °C ≈ 6, Wasser-Glykol 50/50 ≈ 30, Öle deutlich über 100.
Dh = 4 · A / P Hydraulischer Durchmesser für nicht runde Querschnitte: vierfache Querschnittsfläche A geteilt durch den benetzten Umfang P. Beim Rohr ist Dh gleich dem Innendurchmesser, beim flachen Spalt etwa die doppelte Spaltweite.
Die folgenden Gleichungen sind Standardkorrelationen für erzwungene Konvektion aus Incropera und dem VDI-Wärmeatlas. Stoffwerte werden bei der Platte auf die Filmtemperatur, im Kanal auf die mittlere Fluidtemperatur bezogen. Der Rechner oben verwendet genau diese Gleichungen.
Ebene Platte, laminar (mittleres Nu über die Länge L)
Nu = 0,664 · Re^0,5 · Pr^(1/3) Re < 5 · 10⁵, Pr ≥ 0,6, isotherme Platte.
Ebene Platte, turbulent
Nu = 0,037 · Re^0,8 · Pr^(1/3) 5 · 10⁵ < Re < 10⁸, 0,6 < Pr < 60. Gilt für eine Grenzschicht, die schon an der Vorderkante turbulent ist. Mit laminarer Anlaufstrecke wird 871 abgezogen: Nu = (0,037 · Re^0,8 − 871) · Pr^(1/3).
Kanal oder Rohr, laminar, voll ausgebildet
Nu = 3,66 (Wandtemperatur konstant) bzw. Nu = 4,36 (Wärmestromdichte konstant) Re < 2.300, Rundrohr. Quadratkanal 2,98 bzw. 3,61, flacher Spalt mit beidseitiger Beheizung 7,54 bzw. 8,23. Im thermischen Einlauf liegt Nu höher.
Rohr, turbulent: Dittus-Boelter
Nu = 0,023 · Re^0,8 · Pr^0,4 Re > 10.000, 0,6 < Pr < 160, L/D > 10, Fluid wird erwärmt (beim Abkühlen Exponent 0,3). Abweichungen bis etwa 25 % sind möglich.
Rohr, Übergangsbereich und turbulent: Gnielinski
Nu = (f/8) · (Re − 1000) · Pr / [1 + 12,7 · (f/8)^0,5 · (Pr^(2/3) − 1)] mit f = (0,790 · ln Re − 1,64)^(−2) 3.000 < Re < 5 · 10⁶, 0,5 < Pr < 2.000. Genauer als Dittus-Boelter und auch im Übergangsbereich anwendbar.
Zwischen Re ≈ 2.300 und 10.000 befindet sich die Kanalströmung im Übergangsbereich. Ob sie laminar bleibt oder umschlägt, hängt von Einlauf, Umlenkungen und Rauheit ab. Ergebnisse sind hier deutlich unsicherer. Für eine robuste Auslegung meiden Sie diesen Bereich oder rechnen Sie mit beiden Grenzfällen.
Eine Kühlplatte mit eingepresstem Rohr wird von Wasser mit 25 °C durchströmt. Das Rohr hat 8 mm Innendurchmesser, die mittlere Geschwindigkeit beträgt 1,5 m/s (rund 4,5 l/min). Die benetzte Innenfläche des Rohres beträgt 150 cm². Gesucht sind α, der konvektive Wärmewiderstand und der Wärmestrom bei 10 K Temperaturdifferenz zwischen Rohrwand und Wasser.
Stoffwerte Wasser 25 °C: λ = 0,607 W/(m·K), ν = 0,893 mm²/s, Pr = 6,1 Re = v · D / ν = 1,5 · 0,008 / (0,893 · 10⁻⁶) ≈ 13.440 → turbulent Nu = 0,023 · 13.440^0,8 · 6,1^0,4 ≈ 95,2 α = Nu · λ / D = 95,2 · 0,607 / 0,008 ≈ 7.220 W/(m²·K) Rth = 1 / (α · A) = 1 / (7.220 · 0,015) ≈ 0,0092 K/W Q̇ = α · A · ΔT = 7.220 · 0,015 · 10 ≈ 1.080 W Der konvektive Widerstand liegt bei rund 0,009 K/W. Gnielinski liefert für denselben Fall Nu ≈ 98,7 und α ≈ 7.490 W/(m²·K), knapp 4 % mehr. In der realen Kühlplatte ist die wirksame Fläche kleiner, weil die Wärme nicht gleichmäßig über den ganzen Rohrumfang ankommt. Wärmespreizung im Grundkörper und der Übergang zwischen Rohr und Platte gehören deshalb mit in die Rechnung.
Für die Auslegung zählt das Produkt α · A. Es gibt zwei Hebel: mehr Fläche oder einen höheren Wärmeübergangskoeffizienten. Beide haben ihren Preis.
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