
Gefügte Lamellenkühlkörper
Entdecke, wie gefügte Lamellenkühlkörper extreme Leistungsanforderungen meistern – mit maximaler Oberfläche und minimalem Bauraum.
Den Wärmestrom Q̇ berechnen Sie je nach Mechanismus mit einer von drei Formeln: Wärmeleitung Q̇ = λ · A · ΔT / d, Konvektion Q̇ = α · A · ΔT und Strahlung Q̇ = ε · σ · A · (T₁⁴ − T₂⁴). Das Ergebnis ist eine Leistung in Watt, bezogen auf die Fläche ergibt sich die Wärmestromdichte q̇ in W/m². Der Rechner liefert beide Werte und dazu den Wärmewiderstand in K/W.
Der Wärmestrom Q̇ ist die Wärmemenge, die pro Zeiteinheit von einem wärmeren zu einem kälteren Körper übertragen wird. Seine Einheit ist das Watt (1 W = 1 J/s). Teilt man den Wärmestrom durch die Fläche, durch die er fließt, erhält man die Wärmestromdichte q̇ = Q̇ / A in W/m².
Richtwerte bei etwa 20 °C. Für Wärmeleitmaterialien gilt der Wert aus dem Datenblatt, Kontaktwiderstände an den Grenzflächen kommen in der Praxis hinzu. λ-Werte in der Tabelle →
Für jeden Mechanismus gibt es eine eigene Formel. Alle haben dieselbe Struktur: Der Wärmestrom wächst mit der Fläche und mit dem Temperaturunterschied. Bei der Strahlung geht die Temperatur allerdings in der vierten Potenz und absolut in Kelvin ein.
Q̇ = λ · A · ΔT / d Wärmeleitung (Fourier): Wärmestrom durch eine ebene Schicht der Dicke d, etwa eine Bodenplatte, ein Keramiksubstrat oder eine Wärmeleitpaste. Gilt für stationäre, eindimensionale Leitung.
Q̇ = α · A · ΔT Konvektion (Newton): Wärmeübergang von einer Oberfläche an ein strömendes Fluid. ΔT ist die Differenz zwischen Wand- und Fluidtemperatur, α fasst Strömungszustand und Stoffwerte zusammen.
Q̇ = ε · σ · A · (T₁⁴ − T₂⁴) Wärmestrahlung (Stefan-Boltzmann): Nettoaustausch eines grauen Körpers mit einer großen Umgebung. Temperaturen in Kelvin, σ = 5,670 · 10⁻⁸ W/(m²·K⁴).
Q̇ = ṁ · c_p · ΔT Wärmestrom eines Fluidstroms: Aus Massenstrom ṁ und spezifischer Wärmekapazität c_p folgt die Erwärmung des Kühlmittels zwischen Ein- und Auslass.
q̇ = Q̇ / A Wärmestromdichte: Wärmestrom bezogen auf die Fläche, durch die er fließt. Sie zeigt, wie konzentriert die Wärme anfällt.
Achtung bei der Strahlung: Die Temperaturen gehen absolut in Kelvin ein, T = ϑ + 273,15. Rechnen Sie mit °C, ist das Ergebnis falsch. Bei Leitung und Konvektion genügt die Differenz ΔT, die in K und °C denselben Zahlenwert hat.
Wärmestrom und Temperaturdifferenz verhalten sich wie elektrischer Strom und Spannung. Der Wärmewiderstand R_th = ΔT / Q̇ in K/W entspricht dem elektrischen Widerstand. So lassen sich ganze Wärmepfade wie eine Schaltung berechnen.
R_th = ΔT / Q̇ Mit dem Gesamtwiderstand folgt der Wärmestrom direkt aus Q̇ = ΔT_ges / R_ges. Umgekehrt liefert ΔT = Q̇ · R die Temperaturerhöhung jeder einzelnen Schicht.
Wärmewiderstand berechnen: Rth-Rechner →Ein IGBT-Modul gibt 300 W Verlustleistung über eine Bodenfläche von 60 cm² (0,006 m²) an eine Kühlplatte ab. Dazwischen liegen 0,1 mm Wärmeleitpaste (λ = 3 W/(m·K)) und 10 mm Aluminium EN AW-6060 (λ = 200 W/(m·K)). Im Kühlkanal gilt α = 3.000 W/(m²·K) bei 120 cm² benetzter Fläche. Gesucht ist die Temperaturerhöhung von der Modulunterseite bis zum Kühlwasser.
q̇ = 300 W / 0,006 m² = 50.000 W/m² = 5 W/cm² R_TIM = 0,0001 m / (3 W/(m·K) · 0,006 m²) = 0,0056 K/W → ΔT = 1,7 K R_Platte = 0,010 m / (200 W/(m·K) · 0,006 m²) = 0,0083 K/W → ΔT = 2,5 K R_konv = 1 / (3.000 W/(m²·K) · 0,012 m²) = 0,0278 K/W → ΔT = 8,3 K R_ges = 0,0056 + 0,0083 + 0,0278 = 0,0417 K/W → ΔT_ges = 300 W · 0,0417 K/W = 12,5 K Die Modulunterseite liegt rund 12,5 K über der Kühlwassertemperatur, den größten Anteil hat der konvektive Übergang ins Wasser. Auffällig ist die TIM-Schicht: 0,1 mm Wärmeleitpaste kosten 1,7 K und damit zwei Drittel dessen, was 10 mm Aluminium verursachen. Mit 5 W/cm² liegt die Anwendung klar im Bereich der Flüssigkeitskühlung.
Vereinfachung: eindimensionaler Wärmepfad ohne Wärmespreizung und ohne Kontaktwiderstände. In der Praxis verteilt die Bodenplatte die Wärme auf eine größere Fläche, dafür kommen Kontaktwiderstände an jeder Grenzfläche hinzu. Mit R_th,JC aus dem Datenblatt berechnen Sie daraus die Sperrschichttemperatur.
Sperrschichttemperatur berechnen →Ein passiv gekühlter Rippenkühlkörper aus schwarz eloxiertem Aluminium (ε = 0,85) erreicht 60 °C bei 25 °C Umgebungstemperatur. Seine Hüllfläche beträgt 0,10 m², die gesamte Rippenoberfläche 0,40 m². Für die natürliche Konvektion setzen wir α = 5 W/(m²·K) an.
T₁ = 60 + 273,15 = 333,15 K, T₂ = 25 + 273,15 = 298,15 K T₁⁴ − T₂⁴ = 1,2319 · 10¹⁰ K⁴ − 0,7902 · 10¹⁰ K⁴ = 4,417 · 10⁹ K⁴ q̇_rad = 0,85 · 5,670 · 10⁻⁸ W/(m²·K⁴) · 4,417 · 10⁹ K⁴ = 213 W/m² Q̇_rad = 213 W/m² · 0,10 m² = 21 W, α_rad = 213 W/m² / 35 K = 6,1 W/(m²·K) Q̇_konv = 5 W/(m²·K) · 0,40 m² · 35 K = 70 W → Strahlungsanteil 21 W / 91 W ≈ 23 % Mit Lüfter (α = 50 W/(m²·K)): Q̇_konv = 700 W → Strahlungsanteil ≈ 3 % Blankes Aluminium (ε = 0,09): Q̇_rad = 2,3 W statt 21 W Bei natürlicher Konvektion trägt die Strahlung im Beispiel fast ein Viertel zur Wärmeabgabe bei, weil α_rad mit rund 6 W/(m²·K) in derselben Größenordnung liegt wie α_konv. Mit Lüfter sinkt ihr Anteil auf etwa 3 % und ist vernachlässigbar. Das Eloxieren steigert die abgestrahlte Leistung gegenüber blankem Aluminium etwa um den Faktor 9.
Ob Sie die Strahlung mitrechnen müssen, entscheidet das Verhältnis von α_rad zu α_konv. Bei Oberflächentemperaturen bis etwa 100 °C und hohem Emissionsgrad liegt α_rad bei rund 5 bis 8 W/(m²·K). Das ist viel im Vergleich zur natürlichen Konvektion und wenig im Vergleich zur Zwangskonvektion.
| Wärmeübertragung | α_konv in W/(m²·K) | Bedeutung der Strahlung (ε ≈ 0,85) |
|---|---|---|
| Natürliche Konvektion, Luft | 2 bis 25 | Groß: α_rad ≈ 6 W/(m²·K) liegt in derselben Größenordnung, Strahlung immer mitrechnen. |
| Erzwungene Konvektion, Luft | 25 bis 250 | Gering: bei α = 50 W/(m²·K) und gleicher Fläche rund 10 %, bei Rippenkühlkörpern weniger. |
| Erzwungene Konvektion, Wasser und Wasser-Glykol | 100 bis 20.000 | Vernachlässigbar: Die Wärme geht fast vollständig ins Kühlmittel. |
| Sieden und Kondensieren | 2.500 bis 100.000 | Vernachlässigbar. |
Richtwerte für α nach Incropera et al., Fundamentals of Heat and Mass Transfer, und VDI-Wärmeatlas. α_rad berechnet für 60 °C Oberflächentemperatur und 25 °C Umgebung.
Emissionsgrad von Metallen und Oberflächen →Die Wärmestromdichte q̇ ist ein guter erster Indikator für das Kühlkonzept. Maßgeblich ist die Dichte an der Montagefläche des Kühlers, also dort, wo die Wärme vom Bauteil in den Kühlkörper übergeht. Die Bereiche sind Orientierungswerte, keine harten Grenzen.
| Wärmestromdichte q̇ | Typisches Kühlkonzept | Geeignete Bauformen |
|---|---|---|
| unter 0,3 W/cm² (unter 3.000 W/m²) | Luftkühlung, passiv oder mit Lüfter | Stranggepresste, fließgepresste und gefügte Kühlkörper |
| 0,3 bis 1 W/cm² (3.000 bis 10.000 W/m²) | Leistungsfähige Luftkühlung mit Lüfter oder Flüssigkeitskühlung | Gefügte Lamellenkühlkörper, Pinfin-Kühlkörper, Kühlplatten mit eingepressten Rohren |
| über 1 W/cm² (über 10.000 W/m²) | Flüssigkeitskühlung | Kühlplatten mit eingepressten Rohren, innenstrukturierte Kühlplatten |
Eine dicke Bodenplatte oder ein Kupfer-Inlay spreizt die Wärme und senkt q̇ an der Kühlerfläche. Deshalb lohnt der Blick auf beide Flächen: die des Bauteils und die des Kühlers.
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