
Oberflächenveredelung
Erfahre, wie Eloxal, Chromatierung & Co. die Leistung deiner Kühlkörper steigern.
Der Emissionsgrad ε gibt an, wie viel Wärmestrahlung eine Oberfläche im Vergleich zu einem idealen schwarzen Strahler gleicher Temperatur abgibt. Er liegt zwischen 0 und 1 und hängt vor allem vom Zustand der Oberfläche ab: Blankes Aluminium erreicht etwa 0,05, schwarz eloxiertes rund 0,9. Die Tabelle listet typische Werte für Metalle, Beschichtungen und Werkstoffe aus der Elektronikkühlung.
Der Emissionsgrad (Formelzeichen ε, auch Emissivität oder Emissionsvermögen) ist das Verhältnis der Wärmestrahlung einer Oberfläche zur Strahlung eines schwarzen Körpers bei gleicher Temperatur. Ein schwarzer Strahler hat ε = 1, ein idealer Spiegel ε = 0. Technische Oberflächen liegen dazwischen, von etwa 0,02 bei poliertem Kupfer bis über 0,95 bei mattem Lack.
Die Tabelle zeigt typische Emissionsgrade bei etwa 20 bis 100 °C im langwelligen Infrarot, also dort, wo Kühlkörper und Elektronik ihre Wärme abstrahlen. Die Werte schwanken je nach Quelle, Messverfahren und Probe. Für genaue Messungen oder Auslegungen sollten Sie den Emissionsgrad am konkreten Bauteil bestimmen.
| Material Oberflächenzustand | Oberflächenzustand | Emissionsgrad ε | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Aluminium hochglanzpoliert | hochglanzpoliert | 0,03–0,06 | Reflektiert Infrarot fast vollständig und strahlt kaum Wärme ab. |
| Aluminium walzblank oder stranggepresst, unbehandelt | walzblank oder stranggepresst, unbehandelt | 0,05–0,10 | Typischer Zustand eines unbehandelten Profils. Raue oder gestrahlte Flächen liegen höher. |
| Aluminium stark oxidiert | stark oxidiert | 0,2–0,3 | Die natürliche Oxidhaut ist nur Nanometer dick. Erst starke Oxidation hebt ε merklich an. |
| Aluminium eloxiert, farblos (natur) | eloxiert, farblos (natur) | 0,6–0,9 | Stark abhängig von der Schichtdicke. Dicke Schichten liegen am oberen Ende, sehr dünne auch unter 0,6. |
| Aluminium eloxiert, schwarz | eloxiert, schwarz | 0,85–0,95 | Verbreitete Oberfläche passiver Kühlkörper. Im Infrarot kaum besser als eine gleich dicke farblose Schicht. |
| Aluminium eloxiert, farbig | eloxiert, farbig | 0,8–0,95 | Die Farbe spielt im langwelligen Infrarot kaum eine Rolle, die Schichtdicke schon. |
| Kupfer poliert | poliert | 0,02–0,05 | Einer der niedrigsten Werte überhaupt. Thermografie nur mit Messfleck möglich. |
| Kupfer stark oxidiert | stark oxidiert | 0,6–0,8 | Schwarz oxidiertes Kupfer bis etwa 0,88. Leicht angelaufenes Kupfer liegt dazwischen. |
| Messing poliert | poliert | 0,03–0,05 | Verhält sich wie andere blanke Metalle. |
| Messing oxidiert oder angelaufen | oxidiert oder angelaufen | 0,2–0,6 | Große Streuung je nach Grad der Oxidation. |
| Stahl (unlegiert) oxidiert, verzundert oder angerostet | oxidiert, verzundert oder angerostet | 0,6–0,9 | Oxidierter Stahl strahlt fast so gut ab wie lackierte Flächen. |
| Edelstahl poliert | poliert | 0,07–0,20 | Etwas höher als poliertes Aluminium, für die Thermografie trotzdem zu niedrig. |
| Edelstahl bei hoher Temperatur oxidiert | bei hoher Temperatur oxidiert | 0,5–0,85 | Steigt mit der Dicke der Oxidschicht. |
| Nickel galvanisch oder chemisch vernickelt | galvanisch oder chemisch vernickelt | 0,05–0,15 | Glänzende Schichten am unteren, matte am oberen Ende. Bleibt eine metallische Oberfläche. |
| Zinn verzinnt, blank | verzinnt, blank | 0,04–0,10 | Typisch für Kontaktflächen und Weißblech. |
| Lack schwarz, matt bis glänzend | schwarz, matt bis glänzend | 0,85–0,97 | Mattschwarz liegt oben im Bereich, Glanzlack etwas darunter. |
| Lack weiß | weiß | 0,80–0,95 | Im Infrarot fast so gut wie schwarzer Lack, nimmt aber deutlich weniger Sonnenlicht auf. |
| Pulverbeschichtung organisch, unifarben | organisch, unifarben | 0,85–0,95 | Die Farbe ist kaum relevant. Metallic-Pigmente können ε senken. |
| FR-4 (Leiterplatte) Laminat bzw. mit Lötstopplack | Laminat bzw. mit Lötstopplack | 0,8–0,95 | Kupferflächen, Pads und blanke Lötstellen liegen weit darunter. |
| Aluminiumoxid-Keramik (Al₂O₃) gesintert | gesintert | 0,7–0,9 | Abhängig von Reinheit, Dichte und Oberfläche. Im sichtbaren Licht weiß, im Infrarot stark emittierend. |
| Glas Flachglas, unbeschichtet | Flachglas, unbeschichtet | 0,90–0,97 | Im langwelligen Infrarot undurchlässig: Die Kamera sieht die Glasoberfläche, nicht das Objekt dahinter. |
| Wasser Wasseroberfläche | Wasseroberfläche | 0,95–0,98 | Nahe am schwarzen Strahler. |
| Schwarzer Strahler ideal (Referenz) | ideal (Referenz) | 1 | Theoretische Obergrenze, an der alle Werte gemessen werden. |
Quellen: VDI-Wärmeatlas (Kapitel zur Wärmestrahlung); Incropera et al., Fundamentals of Heat and Mass Transfer (Anhangstabellen); Modest, Radiative Heat Transfer; Henninger, NASA Reference Publication 1121 (1984) für Eloxalschichten; Emissionsgradtabellen von Herstellern von Wärmebildkameras. Die Bereiche fassen diese Angaben zusammen und sind als Richtwerte zu verstehen.
Aluminium ist der Standardwerkstoff für Kühlkörper. Sein Emissionsgrad reicht je nach Oberfläche von unter 0,05 bis über 0,9.
Anders als die Wärmeleitfähigkeit ist der Emissionsgrad keine reine Materialkonstante. Er beschreibt eine Oberfläche und ändert sich mit ihrem Zustand, mit der Temperatur und mit der Wellenlänge.
Der größte Hebel. Dasselbe Aluminium liegt poliert bei etwa 0,05 und eloxiert bei rund 0,9. Rauheit hebt ε etwas an, Oxid-, Eloxal- und Lackschichten heben ihn stark an.
Die natürliche Oxidhaut von Aluminium ist nur wenige Nanometer dick und im Infrarot praktisch durchsichtig. Eine Eloxalschicht von 10 bis 25 µm absorbiert und emittiert dagegen kräftig. Dünne Schichten von wenigen Mikrometern liegen deutlich niedriger.
Bei blanken Metallen steigt ε mit der Temperatur, bei Oxiden, Keramik und Lacken sinkt er meist leicht. Zwischen 20 und 100 °C ist die Änderung für die Kühlkörperauslegung klein, bei mehreren hundert Grad nicht mehr.
Körper bei 20 bis 100 °C strahlen vor allem im langwelligen Infrarot, das Maximum liegt bei etwa 8 bis 10 µm. Für Kühlkörper zählen deshalb Werte aus diesem Bereich, nicht aus dem sichtbaren Licht.
Die sichtbare Farbe sagt wenig über den Emissionsgrad im Infrarot. Weißer und schwarzer Lack liegen beide bei rund 0,9. Die Farbe bestimmt aber, wie viel Sonnenlicht eine Oberfläche aufnimmt.
Tabellen nennen Werte senkrecht zur Oberfläche oder über alle Richtungen gemittelt. Unter sehr flachem Winkel steigt ε bei Metallen an, bei Nichtmetallen sinkt er.
Nach dem kirchhoffschen Strahlungsgesetz ist der Absorptionsgrad α einer Oberfläche bei gleicher Wellenlänge λ, Richtung und Temperatur T genauso groß wie ihr Emissionsgrad ε. Was eine Oberfläche bei einer Wellenlänge gut aufnimmt, gibt sie bei dieser Wellenlänge also auch gut ab:
ε(λ, T) = α(λ, T)
Ein Kühlkörper gibt Wärme über Konvektion und Strahlung an die Umgebung ab. Wie groß der Strahlungsanteil ist, hängt vor allem davon ab, ob die Luft frei oder erzwungen strömt.
Den Wärmestrom, den eine Oberfläche netto an eine deutlich größere Umgebung abstrahlt, liefert das Stefan-Boltzmann-Gesetz:
Q̇ = ε · σ · A · (T₁⁴ − T₂⁴)
Die Formel gilt für eine graue Oberfläche, die vollständig eine große Umgebung sieht (Sichtfaktor 1), etwa eine frei stehende Platte im Raum. Temperaturen immer in Kelvin einsetzen, mit °C wird das Ergebnis falsch.
Eine 100 cm² große Kühlfläche hat 60 °C, die Umgebung 25 °C. Wie viel Wärme strahlt sie ab, einmal blank (ε = 0,05) und einmal schwarz eloxiert (ε = 0,85)?
T₁ = 60 °C = 333,15 K; T₂ = 25 °C = 298,15 K; A = 100 cm² = 0,01 m² T₁⁴ − T₂⁴ = 1,232 · 10¹⁰ K⁴ − 0,790 · 10¹⁰ K⁴ = 4,42 · 10⁹ K⁴ Schwarzer Strahler (ε = 1): σ · A · (T₁⁴ − T₂⁴) = 5,670 · 10⁻⁸ · 0,01 · 4,42 · 10⁹ ≈ 2,50 W Blankes Aluminium (ε = 0,05): Q̇ ≈ 0,05 · 2,50 W ≈ 0,13 W Schwarz eloxiert (ε = 0,85): Q̇ ≈ 0,85 · 2,50 W ≈ 2,13 W Die eloxierte Fläche strahlt rund 17-mal so viel Wärme ab wie die blanke. Zum Vergleich: Freie Konvektion führt an derselben Fläche bei einem Wärmeübergangskoeffizienten von 5 bis 8 W/(m²·K) etwa 1,8 bis 2,8 W ab. An einer ebenen, frei abstrahlenden Fläche liegt die Strahlung also in derselben Größenordnung wie die Konvektion.
Wärmestrom berechnen, auch für Strahlung →Eine Wärmebildkamera misst Strahlung, keine Temperatur. Sie rechnet über den eingestellten Emissionsgrad auf die Oberflächentemperatur zurück. Stimmt ε nicht, stimmt auch die angezeigte Temperatur nicht.
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